Sollten Unternehmen jetzt auf TikTok aufspringen?

Brian Powers
Brian Powers

TikTok – Das Jugendphänomen 

Die Video-Sharing-Plattform TikTok hat sich als Favorit der jüngsten Generationen explosionsartig ausgebreitet, um sich ebenbürtig neben den anderen bedeutenden Herausforderern zu platzieren. Bei Andauern der momentanen Akzeptanzkurve besitzen die Chinesen sogar das Potenzial die jetzigen Platzhirsche zu marginalisieren. 

TikTok hat die Kreation und Rezeption von kurzen Videoinhalte in sozialen Medien revolutioniert, um zeitgleich seine Konkurrenz fast in die gleiche Richtung zu zwingen – mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. 

Mit über 130 Millionen Nutzer:innen allein in den Vereinigten Staaten (mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung des Landes) und über einer Milliarde Nutzer:innen weltweit hat die App nichts als steilen Wachstum erfahren. Und dieser scheint sich nicht im Geringsten zu verlangsamen. 

Auf TikTok gehören zu den beliebtesten Inhaltstypen Unterhaltung, Comedy, Streiche und natürlich die berühmten Tanz- und Musikinhalte. Dies, gepaart mit einer viel jüngeren Nutzer:innendemografie, hat dazu geführt, dass Unternehmen die Plattform vorsichtiger angehen.  

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Da aber die jugendliche Bevölkerungsgruppe beginnt, das erwerbsfähige Alter zu erreichen, profitieren viele Unternehmen schon jetzt von der neuen Kaufkraft, die sie mit ihrer Weitsicht seit etlichen Jahren plattformgerecht adressieren. 

Dies ist dem Mutterunternehmen Bytedance durchaus bewusst, weswegen die Länge der TikTok-Videos von drei auf zehn Minuten erhöht wurde. Somit sind auch längere Produktpräsentationen möglich. Aber auch anderweitig bietet die neue Länge Potenziale für neue und innovative Inhaltstypen. Bei dem größten Konkurrenten Instagram bleiben die Stories auf 15 Sekunden und die Reels auf 90 Sekunden begrenzt. 

 

TikTok für Unternehmen 

Die Möglichkeiten für ein Unternehmen, erstens einen Zugang zu der jüngeren Generation herzustellen und zweitens auch diese auf eine adäquate Weise zu adressieren, waren noch nie einfacher. Potenzielle neue Follower und Kund:innen für das eigene Branding zu begeistern, ist über den Hebel TikTok zudem ein sehr billiges Unterfangen.  

Selbst jetzt befindet sich TikTok wahrscheinlich noch in einem frühen Stadium und wird sein volles Potenzial erst noch ausschöpfen - wie man zweifellos an dem BeReal-Klon TikTok Now erkennen kann. Unternehmen, die den Entschluss gefasst haben, die Plattform zu “bespielen” und sie in ihre Social Media Kampagnenstrategien aufzunehmen, können sich freuen, sowohl ein neues globales Publikum zu erreichen, als auch in vielerlei Hinsicht ihre digitale Strategie zukunftssicher gemacht zu haben. Alleine die Tatsache, dass gewisse Kohorten zunächst mit facebook und YouTube, dann mit Instagram und nun mit TikTok Jahr für Jahr erwachsener werden, sollte hier das ausschlaggebende Argument sein. 

Social Media im Allgemeinen hat die Art und Weise, wie Unternehmen mit ihren Kund:innen und der Welt interagieren, verändert. TikTok hat dies noch weiter vorangetrieben, indem es ein gewisses Maß an Authentizität und "Markenunterhaltung" fordert.  

Markenunterhaltung ist genau das, wonach es sich anhört. Zum Leidwesen vieler Firmenaccounts haben das aber noch nicht alle Unternehmen begriffen. Die Präsentation einer leichteren, "menschlicheren" Seite der Firma, gepaart mit einer aufkommenden Nachfrage nach Authentizität, Transparenz und Nachhaltigkeit, wurde noch nie so eingefordert wie jetzt. Nur jene Unternehmen und Organisationen, die diesen Ansatz konsequent übernommen haben, werden wirkliche Ergebnisse sehen. 

Ein wichtiger Geschäftsaspekt war und ist der Fokus auf Superstar-Influencer. TikTok hat es sich auf die Fahne geschrieben, eben nicht einfach bekannten Instagram-Influencern mit ihren Videos eine weiteres Heim zu bieten, sondern eigene Superstars aus wirklich allen Gesellschaftsschichten zu kreieren, deren Videos ganz eigene TikTok-Trends verbreiten. Unternehmen, die das Potenzial dieser hochviralen Schöpfer erkannt haben, sollten von der schieren Reichweite ihrer Beiträge beeindruckt sein.

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Was ist "Sassy" Branding?

In Sachen "sassy branding" konnte man in den letzten zehn Jahren einen Aufwärtstrend spüren. Wagemutige Unternehmen haben den Agenturen in punkto Social Media freie Hand gegeben, was innerhalb der Firmen durchaus hier und dort schockierte Reaktionen von konservativeren Stakeholdern hervorrief. 

Wir haben uns zum Beispiel an den schrägen Präsentationsstil auf Plattformen wie Twitter gewöhnt - aber das war nicht immer so. Und wir haben noch einen weiten Weg vor uns, bis solche Gepflogenheiten allgemein akzeptiert werden – wenn der Trend überhaupt anhält. Während es schon immer Unternehmen gab, die sich wohl fühlten, wenn sie sich abgegrenzt von der grauen Masse als Farbklecks stilisieren konnten, müssen sich nun auch jene Unternehmen verändern, die es sich bislang in der komfortablen Zone konservativer deutscher Werbung gemütlich gemacht haben. Unser Geschäftston und die Art und Weise wie wir unsere Communities ansprechen, müssen sich möglicherweise ändern. 

Eine Marke, die keine Angst hat sich mit ihrer Konkurrenz auf Twitter zu messen, wird sich mehr Retweets einfangen. Ein Unternehmen, das sich in seinen "frechen" TikTok-Videos gewagteren Themen stellt, sich selbst oder ein aktuelles Trendthema parodiert oder einfach öffentlich Stellung zu gesellschaftlichen Themen bezieht, wird auffallen. Schnell wird die Zeiten verblassen, in denen traditionelle soziale Neutralität, eine strenge konservative Darstellung und die Angst, Kund:innen zu verprellen, vorherrschten. 

TikTok und andere soziale Medien haben gezeigt, dass es durchaus in Ordnung ist, eine Persönlichkeit zu haben. Wir sind alle Menschen und keine Roboter. In der Tat könnten einige Unternehmen gegenüber mutigeren Protagonist:innen durchaus ins Hintertreffen geraten. Es gibt immer ein Konkurrenzunternehmen, welches aggressiver und mutiger agiert. 

Über den Hebel der Persönlichkeit kann eine neue Tür geöffnet werden, in der die Personen primär als echte Schöpfer:in, also Content Creator, agieren. Unterschwellig kann zwar ein werbender Subton kommuniziert oder wahrgenommen werden, aber viel wichtiger ist doch, dass Unternehmen vermenschlicht werden und dadurch nahbarer wirken. Branded Entertainment ist deswegen ein effektives, virales Werkzeug, welches Unternehmen zu ihrem vollen Vorteil nutzen können - und zunehmend müssen. 

Während es das Ziel der meisten Unternehmen ist, den Profit zu maximieren, verblasst dieses eher kapitalistische Gesetz mit dem Voranschreiten der Klimakrise und begrenzter Ressourcen. In einer modernen Gesellschaft, die immer mehr Sozialengagement und Verantwortung von ihren Marken einfordert, gleicht das Balancieren zwischen einem verkaufsorientierten Ansatz und einem menschlichen sowie umweltorientierten Ansatz einem Drahtseilakt. Hier liegt die neue Herausforderung modernen Marketings. 

 

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Werbung auf TikTok

"Machen Sie keine Werbung - machen Sie TikTok-Videos..."  

 

Das ist zumindest die Philosophie, die TikTok den potenziellen Werbetreibenden unterbreitet. Aber auch seitens der Unternehmen sollten die beiden Werte Authentizität und Erfahrung verinnerlicht werden, da sie von hoher Bedeutung für die Nutzer:innen sind. Und gerade in punkto Authentizität können TikTok-Videos hier wahre Wunder bewirken. 

Niemand ist in den sozialen Medien unterwegs, weil er Werbespots sehen will. Andersherum kann man es auch so sehen: Wer das ansonsten nahtlose Social Media Erlebnis durch die eigene Unternehmenswerbung unterbricht, torpediert damit auch die positive Wahrnehmung der Markenkommunikation. 

Angesichts dieser Realität besteht TikTok unerschütterlich auf prägnante Videos, die fließen und dazu beitragen, ein Gemeinschaftsgefühl zu fördern - ein Gefühl, das wir bei facelift unter anderem mit Artikeln wie diesem hier befeuern. Während diese weniger werbliche Strategie für viele Marketingabteilungen fremd und neu erscheinen mag und bestimmte kreative Herausforderungen mit sich bringt, ist es eine praktikable Art und Weise, wie Marken heutzutage mit einer Digital Native-Bevölkerungsschicht in Kontakt treten können.  

Diese anspruchsvollen jungen Menschen haben weder die Zeit noch das Interesse an traditioneller Werbung. Das gilt heutzutage für alle Arten von Kurzform-Videoinhalten in sozialen Medien, wobei TikTok diese Netiquette in den Köpfen der Social Media Nutzer fester verankern konnte. 

Diesbezüglich kann man gespannt sein, wie TikTok es schaffen wird, virale Reichweiten mit Unternehmensinhalten zu kombinieren, während die Plattform gleichzeitig neue Wege der Monetarisierungen finden muss. 
 
 

TikTok-Analysen

Nutzer:innen von TikTok-Business-Konten können auf eine Reihe von Analysedaten zugreifen, die denen der meisten sozialen Netzwerke ähneln. Ähnlich wie Instagram sind die meisten traditionellen KPIs in der mobilen TikTok-App verfügbar, allerdings bietet TikTok diese Daten auch in seiner Desktop-Version an -  was Instagram nicht tut. Das Dashboard von TikTok enthält die üblichen KPIs wie Follower, Ansichten, Likes, Kommentare sowie demografische Daten. 

 

 

Wichtig für Ersteller 

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Die Frage bleibt: Ist TikTok das Richtige für Dein Unternehmen? 

Das kannst nur Du entscheiden. Das Potenzial für Unternehmen und Organisationen aller Art sollte allerdings für sich sprechen. Man darf bezüglich der Entwicklungen bei Geschäftsanwendungen zukünftig sehr gespannt bleiben. Aufgrund der demografischen Merkmale von TikTok ist es durchaus möglich, dass B2B-Firmen zunächst weniger Erfolg auf TikTok haben werden. Dennoch sollte man mit kleinem Budget und minimalen Aufwand herumexperimentieren. Wir sind fest davon überzeugt, dass jedes Unternehmen auf jeder Social Media Plattform erfolgreich sein kann - einige stehen einfach vor anderen Herausforderungen. 

Wenn Du Dich entscheidest TikTok auszuprobieren oder die Plattform bereits nutzt, freuen wir uns, Dir mitteilen zu können, dass facelift Deine TikTok-Analysen über das quintly-Tool unterstützen kann. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, was man mit quintly alles tun kann und Interesse an einem Vergleich zwischen Reels und TikTok hast, dann klicke doch auf diesen Link für unseren kostenlosen Leitfaden. 

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Brian Powers
Brian Powers

Mehr über den Autor

Brian stammt aus New York und ist der Content Marketing Manager von facelift. Mit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung in den Bereichen Content und Social ist er für die Erstellung eines Großteils der englischsprachigen digitalen Inhalte von facelift verantwortlich, insbesondere für den facelift-Blog, die Leitfäden und Downloads, sowie als Autor und Co-Regisseur der YouTube-Serie "The Socials".